Chaos ist vielleicht wirklich das richtige Wort. Über Deutschland schwebt eine Staubwolke, die die Bildzeitung in ihrer typischen auflagenheischenden Art schon als Staubmonster bezeichnet hat, eine Staubwolke, die man nicht sehen kann, eine Staubwolke deren Auswirkungen dennoch immens sind.

Der Himmel ist verstörend blau, denn auch heute und mitten in Hamburg sind keinerlei Kondensstreifen zu sehen. Es ist wirklich so, als wäre die Luftfahrt einfach so ausgeknipst worden.

Das Reisezentrum in Hamburg ist für einen Samstag morgen untypisch voll. Gemessen an den Leuten die in der Businessuniform des Berufsnomadentums auf Antwort von den Beratungskäften vor Ort warten, laesst darauf schliessen, das wohl einige gestern in Hamburg haengen geblieben sind, nachdem sie die Staubwolke an den Boden gedrückt hat.

Die Durchsageanlage brüllt beständig in den Raum, das der Zug nach Kopenhagen vollständig ausgebucht sei, was wohl bedeutet, das man die maximale Passagierstapelhöhe erreicht hat, den aus stehenden Passagieren macht sich die Bahn nur im Extremfall etwas.

Die Disposition der Züge wird durch viele Zusatzzüge wohl so sehr erschwert, das man auf den Zugverkehr zwischen Hamburg und Hamburg-Harburg verzichtet. Ich werde aber nachher noch mal überpruefen, ob nicht irgendwo durch einen Scherz des Schicksals gleichzeitig eine Baustelle eingeplant worden ist. Würde mich jetzt irgendwie so gar nicht wundern.

So laufe ich dann geschwinden Schrittes vom Gleis 14 zum Gleis 4, um vor der Meute in der S-Bahn zu sein, bevor ihr ins Gehirn sickert, das ihr Zug wirklich nicht am Hamburger Hauptbahnhof abfahren wird. Viele verspätete oder verlegte Züge in meiner Bahnfahrkarriere haben mich gelehrt, das es durchschnittlich eine Ungläubigkeitsstarre von 3-5 Minuten gibt bei solch tiefgreifenden Durschagen. Das kann man ausnutzen im Kampf um den Sitzplatz im Ersatzzug.

Die Ansage, die eben durch die Bordsprechanlage ist auch neu in ihrer Art: "Dieser Zug wird in etwa 10-15 Minuten abfahren, da wir noch auf unseren Triebfahrzeugführer warten müssen. Dieser befindet sich gerade auf der Anreise vom Hamburg Hauptbahnhof". Ich habs schneller zum Bahnhof Hamburg-Harburg geschafft! HA..HA! Nützt mir nur gar nichts, weil der Zug nicht losfährt. Aber hoffen wir mal, das der Herr oder die Dame nicht mit der Dienstdraisine unterwegs ist.

"Bitte schliessen sie alle Türen, wir wollen abfahren". Ich dachte immer, das wäre der Job des Personals

9:47 ... der Zug fährt ab ... ist doch gar nicht so schlecht. Wenn der Zug am Hauptbahnhof losfahren würde und ich den "09:47"-Zug hätte nehmen wollen. Denn eigentlich war mir mehr nach dem "08:47"-Zug und eigentlich wollte ich jetzt schon in Bremen sein.

"In der Abfahrt von Harburg hatte der Zug eine Verspätung von 108 Minuten".

Aha, genau genommen sitze ich also im 7:47-Zug. Insgesamt betrachtet hätte ich vielleicht doch zu Hause bleiben sollen Aber wer nicht verreist, kann ja auch nichts erleben.

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